

"Das kunstseidene Mädchen" heißt eigentlich Doris, ist 18 Jahre alt und stammt aus einfachen Verhältnissen. Sie hat die Nase voll von ihrem zudringlichen Chef, für den sie im Anwaltsbüro Briefe "ohne Kommas" auf der Schreibmaschine tippt, und beschließt, der kleinbürgerlichen Enge ihres rheinischen Provinznestes zu entfliehen, um ein mondänes und aufregendes Leben zu führen. Auf ungewöhnliche Art ergattert sie eine kleine Sprechrolle am Theater, stiehlt einen Pelzmantel und flieht nach einer großen Enttäuschung in der Liebe nach Berlin, um dort endlich "ein Glanz" zu werden.

Lebenshungrig stürzt sie sich in die glitzernde Scheinwelt der Metropole, muss allerdings bald erfahren, dass der Alltag in dem von Arbeitslosigkeit und zunehmendem Antisemitismus geprägten Berlin zu Beginn der 1930 er Jahre ganz und gar glanzlos ist. In den Beziehungen, die Doris eingeht, erlebt sie das Herabsinken in die Halbwelt, aber auch Momente des Glücks und der Hoffnung. Trotz herber Rückschläge versucht Doris sich immer wieder zu behaupten und ihre Träume von Liebe, Luxus und von einer Karriere als "Glanz" nicht so schnell aufzugeben ...

Fast 80 Jahre nach seinem Erscheinen hat Irmgard Keuns berühmter Text, den wir in einer Bühnenfassung von Gottfried Greiffenhagen spielen, nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Die Suche nach Liebe und Anerkennung, nach Abenteuer und Ruhm ist eben einfach zeitlos. (Oder wollen die vielen Bewerberinnen für "Germanys Next Top Model", "Deutschland sucht den Superstar" und für andere Castingshows nicht auch einfach nur "ein Glanz" werden?)